Giralgeld kann man mir ebenfalls nicht einfach so wegnehmen. Schließlich habe ich einen Anspruch darauf. Der Unterschied zwischen Giral und Bargeld ist, dass das eine ein gestezliches Zahlungsmittel ist, das andere jedoch nicht und trotzdem nahezu überall anerkannt wird. Ansonsten besteht kein Unterschied. Es ist lediglich ein Name, der sich aus der ursprünglichen Führungsform der Kontenbücher ableitet. Es ist daher auch kein gesetzliches Zahlungsmittel, weil es nicht von der Zentralbank vergeben wird, sondern irgendeiner x-beliebigen. Ansonsten solltest du dich nochmal damit beschäftigen, was Basel II und Basel III bedeuten und was insolvent an sich heisst.
Zu deinem Beispiel mit den Legosteinen: Wie kommst du darauf, dass einfach Legosteine (Geld) nachproduziert wird? Das genau ist nicht der Fall! Es wird von den Zentralbanken eben nicht einfach plump in beliebiger Höhe Geld nachgedruckt. Das ist ihr letztes Mittel, davor wird sie zunächst alle anderen Mittel ausschöpfen und selbst dann kann und wird sich nicht einfach so Geld nachdrucken. Und mit Zinseszinsen wächst auch nicht mal einfach so die Geldmenge exponentiell. Das hiesse, dass NIE jemand pleite geht und NIE ein Schuldner auf seinen Schulden sitzen bleibt etc.
Ansonsten widersprichst du dir selbst. Banken und Staaten können sich nämlich eben genau wie die Privatwirtschaft nicht unbegrenzt Geld leihen. Genau deswegen ist ja Griechenland insolvent (NICHT pleite!) und genau deshalb gab es eine Bankenkrise, weil die Banken eben auf einen Schlag sich kein Geld mehr leihen konnten aber stark ihr Buchgeld in Bargeld umwandeln mussten. Es werden auch im Falle Griechenlands nicht einfach Legosteine neu produziert! Das ist Unsinn! Zu einem Teil wird gebürgt, damit Griechenland sich Geld leihen kann. Dieses Geld muss erst dann gezahlt werden, wenn Griechenland den Finger hebt und dann fehlt es den Bürgen an anderer Stelle, es wird NICHT gedruckt. Zu einem weiteren Teil werden Schulden erlassen. Das heisst, Griechenland muss dieses Geld nicht zurückzahlen, die Banken müssen aus ihrem Eigenkapital den Verlust decken und verlieren ihr Geld. Also auch an diesem Punkt wird nirgendwo Geld neu geschaffen. und zu einem 3. Teil wird direkt Geld an Griechenland verliehen. Dieses Geld muss es zurückzahlen und bis dahin fehlt es den Staaten/Banken, die dieses Geld zur Verfügung stellen. Sollte Griechenland dazu nicht in der Lage sein, dann muss auch dieses Geld abgeschrieben werden und steht dann den Verleihern nicht mehr zur Verfügung.
An keinem der 3 genannten Punkte entsteht auch nur 1 Cent neuen Geldes.
Der Globalisierung haben wir zu verdanken, dass neue Geldkreisläufe entstehen und sich Geldmengen verschieben. Sonst nichts. Das kann wie im Falle Griechenland natürlich auch dazu führen, dass dort weniger ist als zuvor. Damit muss das Land zurecht kommen.
Was denn da so eingetreten ist, was du dir gedacht hast, ist nunmehr schwer nachzuvollziehen. Du kannst eine Menge behaupten. Andererseits war die Entwicklung 2011 auch nicht wirklich etwas überraschendes. Das es in Europa zu Problemen kommen würde war absolut klar. Warum? Weil Europa es jahrzehntelange verschlafen hat, sich gloabl konkurrenzfähig zu machen. Auf Pump aufgebaute Sozialsysteme, die die abzusehnden Veränderungen nicht berücksichtigen wollten. Aber auch das sind keine Fehler im System sondern Fehler von Entscheidungsträgern, in diesem Falle Politikern, die zwecks Wiederwahl Sozialsysteme aufbauten, die sich selbst nicht tragen konnten und nun scheuen sie sich vor unpopulären Sanierungen, denn leider wählt das Volk niemanden, der ihnen sagt, dass sie zukünftig weniger bekommen, selbst wenn das der einzig richtige Weg ist. Auch hier ist der Fehler nicht das System als solches, sondern es wird an die Wand gefahren von Menschen, die die Wahrheit nicht wahrhaben wollen.
Zum Thema Iran bleibt nur zu sagen, dass Europa bereits keine neuen Ölimportverräge mehr mit dem Iran schließt, ergo sich der Benzinpreis längst daran angepasst hat. Sollte es zu einem Krieg mit dem Iran kommen, sollte der benzinpreis in Europa sogar wieder sinken, da durch den Krieg einer derzeit sanktionierte Ölquelle wieder zugänglich wird. Ansonsten ist deine Aussage bezüglich 20% Ölimport der EU aus dem Iran schlicht falsch:
http://www.handelsblatt.com/politik/...2&a=true#image und
http://de.statista.com/statistik/dat...nach-herkunft/
Das iranische Öl spielt für die EU so gut wie keine Rolle. Eben weil es der Iran stark sanktioniert ist. Deutschland bezieht lediglich 1% seines importierten Öls aus dem Iran, die gesamte EU höchstens zu 5%.
Wusstest du es nicht oder wie kommst du auf die vollkommen übertriebene und aus der Luft gegriffenen 20%?
Noch eine Anmerkung. Warum die Staaten und die Banken so ein wenig Bammel haben. Wie ich bereits erwähnte muss eine Bank Geld, dass sie abschreibt, aus ihrem Eigenkapital ziehen. Da diesbezüglich die Zügel recht lasch gehalten wurden seitens der Gesetzgeber ist es bei den meisten Banken so, dass ein nicht unerheblicher Teil der kurzfristigen Verbindlichkeiten nicht mehr über das Eigenkapital gedeckt werden. Sind sie gleichzeitig nicht durch kurzfristige Forderungen gedeckt oder fallen diese zusätzlich aus, wäre die Bank zunächst insolvent (da ihr Eigenkapital zur Abschreibung nicht mehr ausreicht), solange sie sich nicht Geld bei der Zentralbank oder anderen Banken leihen kann. Die Frage hierbei ist, wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Fall eintritt, das auf einen Schlag soviele Verbindlichkeiten fällig werden und gleichzeitig soviele Forderungen ausfallen, dass das Eigenkapital der Bank nicht mehr zur Abschreibung ausreicht. In der Vergangenheit wurde dieses Risiko niedriger eingeschätzt als heute. Die Banken müssten eigentlich lediglich ihre Eigenkapitalquote erhöhen und das ganze Schreckgespenst wäre verschwunden. Da dies aber (aufgrund Lobbyarbeit) gesetzlich nicht vorgeschrieben wird (bis jetzt) und einige unverbesserliche es nicht wahrhaben wollen, wird es bisher nicht vollständig umgesetzt, weil es, solange nicht alle mitziehen, einen Wettbewerbsnachteil bedeutet. Also auch hier wieder: Der Fehler ist nicht das System an sich, sondern die Festsetzung von Grenzen bzw. deren Einhaltung. Früher waren die laschen Zügel dahingehend vollkommen in Ordnung, da andere Bedingungen herrscht. Was versäumt wurde ist die Anpassung an neue Gegebenheit. Ähnlich wie bei den Sozialsystem hat die Politik es schlicht verschlafen bzw. versäumt, Gesetze an sich verändernde Bedingungen anzupassen.
Letzlich führen Diskussionen wie diese eigentlich nur zu einer Frage: Welche Alternativen sehen denn die ganzen Kritiker zu unserem heutigen auf Geld basierenden System? Das ist dann immer der Punkt, wo es auf Seiten der Kritiker ganz ganz leise wird...