Teil VII: Alles Gewonnen, alles Verloren
Die Jahre zogen ins Land.
Thulachim wurden 3 Kinder geschenkt. Ein Sohn, Jashir, und 2 Töchter, Halina und Nadhiyah.
Das Land, das er bezog war ödd und leer, aber Thulachim scheute sich nicht vor Aufgaben, und so arbeitete er hart und stetig daran, das dem Land etwas wertvolles zu machen. Und es gelang ihm. Das Land wurde wieder grün, und seine Ernten von Jahr zu Jahr mehr. Schon nach dem zweiten Jahr war sie reich genug, das er Teile verkaufen konnte, und nach 4 Jahren war er bekannt für seine Waren.
Neben den Feldern mit Reis und Gemüse, besaßen sie noch eine kleine Ziegenherde, die einen halben Tagesmarsch entfernt an den Hängen der Grenzgebirge grasten, und von dem alten Ziegenhirten Araschaf, gehüttet wurden.
Es war ein hartes Leben. Voller Arbeit, Schweiß und Muskelkater, doch jeden Abend betrat Thulachim lächelnd sein Heim. Er war glücklich, das erste Mal in seinem Leben. Die harte Arbeit machte ihm nichts aus, denn Abends lies sich die Erde tatsächlich leichter abwaschen als Blut, und das freute ihn Tag für Tag.
Und auch durch seine Liebe zu Yasmina und seinen Kindern erstarb sein lächeln auf den Lippen niemals.
Es war ein gutes Leben, ein erfülltes...eins das viel zu schnell zuende sein sollte.
(Thulachim schwiegt einen ganzen Moment, als er bei diesem Abschnitt seiner Erzählung angekommen war, und seine Augen blickten in die Leere. Aber niemand unterbrach sein Schweigen, denn man sah, das es ihm nun schwer fallen würde das Ende der Geschichte zu erzählen.)
Es waren 6 Jahre seit seinem Verlassen des Nachtwinds vergangen, und niemals hatte er einen von ihnen wiedergesehen, oder auch nur einmal seine Waffen zum Kampf ziehen müssen.
Es war Herbst, und Thulachim machte sich auf den Weg zu den Hängen des Gebirges, um einige Schafe Heim zu treiben, damit sie geschlachtet und für den Markt vorbereitet werden konnten. Außerdem wollte er noch bei ein paar Freunden vorbei schauen, die an den Hängen lebten, also sollte er erst etwa nach 3 Tagen wieder zuhause zurückkommen.
Seine Reise verlief ruhig. Seine Freunde freuten sich über seinen Besuch, und es wurde viel geredet und gelacht. Auch seine Schafe liessen sich friedlich zurück treiben, und der alte Ziegenhirte begleitete ihn ein Stück, und erzählte aus vergangenen Jahren. Eine ruhige Reise...
Es waren nur noch ein paar Stunden bis zu seinem Hof, und Thulachim freute sich auf seine Familie und das Essen, als er die Rauchfahne bemerkte, die sich in den Himmel erhob. Der Ursprung war noch hinter Hügeln verborgen, aber die Richtung war die selbe, die auch er eingeschlagen hatte...der Hof.
Thulachim beschleunigte seine Schritte, vergass bald die Tiere, die versuchten hinter ihm her zu kommen, und schonbald rannte er, bis seine Lunge schmerzte und seine Beine zitterten. Dann kam er auf den letzten Hügel, der seinen Blick vor dem Ursprung der Rauchfahne verbergen sollte, und Thulachim konnte das Tal, in dem sein Hof stand, vollständig überblicken...und ein Schrei entsprang seinen Lippen und zog, wie die Rauchfahne in den Himmel.
Sein Hof war nicht mehr.
Ab diesen Moment wurden Thulachims Erinnerungen undeutlich, bruchstückhaft, wie ein Traum aus dem man erwachen möchte, aber es nicht kann.
Der Hof war nur noch eine verkohlte, qualmende Ruine.
Die Felder waren zertrampelt, das Federvieh erschlagen.
Rennen...keuchen...schreien...
Schwarze Hände, die sich durch verkohlte Hölzer graben, verwischt durch einen Schleier aus Tränen.
Ein kleiner Fuss, begraben unter Schutt. Ein Gesicht, verbrannt und verzehrt.
Eine Hand, die seine nicht ergreifen wollte. Ein Stück von einem Kleid noch um den kleinen Körper.
Yasmina, festgebunden und zerschlagen, das Gesicht vor Qual verzehrt...
4 Gräber, 1 großes und 3 kleine, gegraben mit Händen voller Erde und Blut.
Spuren im Sand, Berittene und Gepanzerte Krieger, Richtung Sonnenuntergang.
Ein Schrei voller Hass, Trauer und Wahnsinn gehn Himmel. Glitzernde Klingen in seinen Händen.
Die Wüste, die Spuren, das Rennen. Verwischt durch Schweiß, Blut und Tränen.
Nacht.
Ein Lager, Feuer, Gesang, Männer, Mörder.
Keine Vorsicht, kein Warten, kein Zögern.
Eine Bluföntäne aus dem Hals des ersten Wächters bei den Pferden
Geschrei im Lager, weiteres Blut.
Ein Pfeil trifft ihn in die Schulter, und ein geworfener Dolch den Kopf des Bogenschützen.
Hiebe, Stiche, Treffer, Blut, Hass...........
Das Gesicht eines Offiziers, deutlich eingebrannt in sein Gehirn. Lächelt stand er da.
Umringt von Feinden, Blut aus zahlreichen Wunden, ein letzter Angriff, 2 Feinde sterben...ein Schlag auf den Kopf..............Schwärze.
.
.
.
.
.
Schwärze wo Erinnerungen sein sollten.
.
.
.
.
.
Ein Boot.
.
.
.
.
.
.
Rudern
.
.
.
.
.
.
Ein Sturm
.
.
Eine Stimme
.
Ein Strand
.
Eine Gestalt
.
Dschungel
Feinde
Tod
Eine Stadt
.
.
Eine Kaschemme
.
Ein Mann...ein Gesicht...ein Name:
KADRAS .......... NACHTWIND
Die Erinnerung kam zurück...
("So kam ich Zurück zum Nachtwind, und so endet meine Geschichte", flüsterte Thulachim, stand auf und verlies ohne ein weiteres Wort zu sprechen die Gildenhalle.)